Schlösser und Burgen im Meraner Land
in Dorf Tirol wurde um 1140 als Stammburg der Grafen von Tirol fertig gestellt. Heute ist es Südtiroler Landesmuseum und widmet sich der Geschichte Tirols von den Anfängen bis heute, außerdem präsentiert es jährlich attraktive Sonderausstellungen.
Am Schlosshügel befindet sich das Pflegezentrum für Vogelfauna Schloss Tirol. Faszinierend ist Vogelflugschau mit Flugvorführungen vom Falken bis zum Steinadler, täglich um 11.15 Uhr und 15.15 Uhr: Ein Erlebnis nicht nur für Kinder.
Schloss Brunnenburg Gratsch bei Meran:
Früher eine Vorburg von Schloß Tirol, dann eine Ruine; im vorigen Jahrhundert von Privaten gekauft und in dem jetzigen Stil wiederaufgebaut. Enthält ein hochinteressantes Landwirtschaftliches Museum
Schloss Thurnstein Gratsch bei Meran:
Die Burg Thurnstein wird erstmals 1276 als Thurm Platzleid erwähnt. Graf Meinhard von Tirol belehnte 1282 Konrad Milser mit der Burg. Dem Turm wurde im 16. Jahrhundert der Südtrakt und im 18. Jahrhundert der Nordtrakt zugebaut. Der Name Thurnstein erscheint zum ersten Mal im Jahre 1478.Nach mehrmaligem Wechsel der Besitzer gelangt die Burg an der Wende des 17. Jahrhunderts in den Besitz der Meraner Familie von Egen, deren Nachkommen sie heute als Gaststätte führen.
Um 1350 von Petermann von Schenna erlaubt und in drei Ausbauphasen im 15., 16. und 18. Jh. umgebaut. 1844 von Erzherzog Johann von Österreich gekauft, befindet es sich seit 1859 im Besitz seiner Nachkommen, der Grafen von Meranj. Das Museum zeigt eine bedeutende Sammlung von Waffen, Gemälden und Möbeln und umfaßt Tiroler und europäische Geschichte mit Schwerpunkt auf Erzherzog Johann und Andreas Hofer.
Mausoleum: erbaut von 1860-69 als neugotische Grabstätte für Erzherzog Johann, seine Gemahlin Anna, deren Sohn Franz Graf von Meran und dessen Gemahlin Theresa.
Die Burganlage, auf einem prähistorischen Platz, wurde von Hugo von Montalban um 1278 erbaut. 1368 zählt sie zum Besitz der Herren von Starkenberg und 1540, nach öfterem Besitzwechsel, erwirbt sie die Familie der Sinkmoser. Damit erreicht sie ihre Blütezeit. Sie fällt dann dem Geschlecht der Hendl zu, die sie 1813 an den Bauern Josef Blaas verkaufen. Die Burg verfällt, 1913 kauft sie der holländische Kolonialherr William Rowland und saniert sie vorbildlich. Seit 1983 ist sie der Wohnsitz von Reinhold Messner, dem berühmten Bergsteiger, der mehrere Kunstsammlungen dort untergebracht hat. Umfangreiche Tibetika-Sammlung, Bergbildgalerie, Maskensammlung aus 4 Kontinenten (Mittwoch geschlossen)
Schloss Lebenberg in Tscherms bei Lana:
Erbaut im 13. Jahrundert von den Herren von Marling. Sehr ausgedehnte Burganlage mit dreigeschossiger Kapelle aus dem 14. Jh., französischem Ziergarten, Spiegelsaal im Rokokostil und Rittersaal, sowie vollständig eingerichteten Räumlichkeiten und Waffensaal.
Die alte Fragsburg (heute Schloss Freiberg) ist nicht zugänglich. Sie liegt fast 800 m hoch und ist der höchste Burgenbau Merans. Darunter befindet sich das berühmte Hotel-Restaurant-Fragsburg
Der erste urkundlich festgehaltene Herr des Schlosses am Sandplatz war ein adeliger Landesrichter Kallmünz aus Regensburg im Jahr 1460. Auch gegenwärtig ist das Schloss im Besitz einer adeligen Familie. Es beherbergt eines der renommiertesten Restaurants der Stadt.
Schloss Katzenstein Sinich bei Meran:
Im Wappen der Herren von Katzenstein, deren Eigentum das Schloß war, ist eine sitzende Katze zu sehen. Ein architektonisches Kleinod mit märchenhafter Atmosphäre, auf einer Terrasse über Sinich gelegen. Das Schloß wurde vor kurzem restauriert und in Privatwohnungen umgewandelt.
Der Grafenansitz Rametz, heute Weinkellerei und Restaurant, wurde vor über 100 Jahren ausgebaut. An den ursprünglichen Bau erinnern nur mehr der südliche Wohnbau und der Turmtrakt.
Der Turm hoch über der Altstadt am Tappeinerweg, heute eine Ruine, gehörte früher zur Festungsanlage "Ortenstein", deren Bergfried er war. Er diente im 16., 17. und 18. Jahrhundert zur Aufbewahrung von Sprengpulver und als Zufluchtsort für die Bevölkerung in Kriegszeiten.
Schloss Pienzenau in Obermais:
Das Obermaiser Schloss dient als Tagungszentrum. Die Benediktinermönche des Klosters Ettal in Bayern nutzten es 300 Jahre lang als Ort der Besinnung und Erholung. Besonders erwähnenswert ist der gepflegte Park.
Das Schloss beherbergt einen Hotelbetrieb mit Beauty- und Wellness-Farm. Der Vierecksturm, der weiße Anstrich mit den rot-weißen Fensterläden und die gepflegten Parkanlagen sind sein Kennzeichen.
Schloss Sigmundskron und Messner Mountain Museum in Firmian bei Bozen:
Die Burg thront auf einem Porphyrausläufer des Mitterbergs über dem Zusammenfluss von Etsch und Eisack. Sigmundskron war immer eine besondere Burg: eine der ältesten Südtirols, mit ihren bis zu fünf Meter dicken Mauern ein frühes Zeugnis der Festungsbaukunst. Die ersten geschichtlichen Erwähnungen unter dem Namen „Formicaria“ (später „Formigar“) stammen aus dem Jahre 945. Kaiser Konrad II. übergab diese 1027 dem Bischof von Trient. Im 12. Jahrhundert wird die Burg Ministerialen übergeben, die sich von da an „von Firmian“ nennen. Um 1473 kauft der Landesfürst von Tirol, Herzog Sigmund der Münzreiche, die Burg, lässt sie zu einer Festung ausbauen und benennt sie um in Schloss Sigmundskron. Von der alten Burg Formigar bleiben nur noch bescheidene Reste übrig, die größtenteils auf dem höchsten Punkt des Festungsterrains gelegen sind. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten muss Sigmund die Burg bald darauf verpfänden. In der Folge verfällt die Anlage immer mehr. Ende des 18. Jahrhunderts gehört die Burg den Grafen Wolkenstein, 1807 bis 1870 den Grafen von Sarnthein, danach bis 1994 den Grafen Toggenburg.
Das Schloss ist ein wichtiges politisches Symbol für die Südtiroler: 1957 fand hier unter der Führung von Silvius Magnago die größte Protestkundgebung in der Geschichte des Landes statt. Über 30.000 Südtiroler versammelten sich in der Burganlage, um gegen die Nichteinhaltung des Pariser Vertrages zu protestieren und eine eigenständige Autonomie zu fordern ("Los von Trient"). Vor kurzem wurde das Schloss bzw. die Ruine von der Autonomen Provinz Bozen erworben.
http://www.messner-mountain-museum.it/
Ausführliche Beschreibung von Schloß Tirol bei Tirol:
Auf Schloss Tirol wurde das Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte eingerichtet, dessen Ziele die Erforschung und Darstellung der Geschichte Tirols, der Aufbau einer Sammlung, die Förderung wissenschaftlicher Forschung zur Landesgeschichte sowie die Zusammenarbeit mit Institutionen ähnlicher Ausrichtung sind. Ein Leitgedanke dieses Museums ist das dynamische Leihgabenkonzept, bei dem bedeutende Exponate in einem Rotationsprinzip gezeigt werden: es basiert auf Kooperation und Austausch und soll im regionalen wie im internationalen Rahmen neue Synergien ergeben.
Die letzten Bauarbeiten konzentrierten sich auf den Wirtschaftstrakt, wo die Sonderausstellungen stattfinden, und auf den Bergfried, welcher der Geschichte des Landes im 20. Jh. gewidmet ist. Der Parcours führt von der Vorburg zum Tempel, wo die Baugeschichte der Burg selbst thematisiert wird, über Krypta und Rittersaal, in dem auch in Zukunft Feiern und Konzerte stattfinden werden, zur Kapelle und dann zum Kaisersaal, wo die mittelalterliche Gesellschaft und Highlights der neuen Sammlung gezeigt werden. Im Ostpalas wird Landesgeschichte aus dem Blickwinkel der Rechtspflege, im Mushaus Schloss und Land im 19. Jh. präsentiert. Im neu überdachten Küchenhof gibt es Einblicke in den mittelalterlichen Alltag auf Schloss Tirol.
Der nördliche Bereich des Tempels widmet sich den archäologischen Funden aus den verschiedenen Grabungsbereichen (Kirchengrabung auf der Vorburg, Wirtschaftstrakt, Küchenhof, Gerüstlöcher in der Krypta, Turris Parva) und der interdisziplinären Forschungsarbeit. Thematisiert werden auch die Portale im Lichte der neuesten mineralogischen Erkenntnisse und des ikonographischen Kontextes. Der westliche Teil befasst sich mit der komplexen Thematik der Erbauung der Burg. Die Ergebnisse der Bauforscher werden in einem Baumassenmodell, das die vier relevanten Bauphasen (ante 1100, 1138-1234, Mitte 13. Jh. bis Mitte 14. Jh. und Mitte 14. Jh. bis heute) zeigt, dargestellt. Die einzelnen Gebäudeteile erscheinen als transluzente Blöcke, welche durch im Inneren liegende Glasfasern zum Leuchten gebracht werden. Der Betrachter erfährt so in anschaulicher Weise, welche Teile in welchen Zeiträumen gebaut wurden. Um die Verortung der dargestellten Bereiche und die zeitliche Abfolge besser vermitteln zu können, läuft in unmittelbarer Nähe ein Jingle mit einem virtuellen Rundflug und 3D-Bauphasenmodell.
Diese Computersimulation, mit zusätzlich Informationen über das Leben auf der Burg in der jeweiligen Epoche wurde im Mai 2004 der Öffentlichkeit vorgestellt und ist jetzt auch als CD-ROM im Shop erhältlich.
Von einer Art Balkon aus ist die Krypta sichtbar. Dort hat der Besucher die Wahl von drei Hörtexten:
1. Die Grablege der Grafen von Tirol
2. Die Grundmauern der Burg
3. Die Schatzkammer der Landesfürsten
Anhand der Brandspuren an der südlichen Mauer und einer Vitrine mit Objekten, die Brandspuren aufweisen, wird der Brand von 1301 thematisiert.
Der Rittersaal bleibt frei von musealen Einbauten, da er für Veranstaltungen und Konzerte genutzt wird. Bei den südlichen Fenstern gibt es Aussichtsplateaus, die zusammengeschoben eine Bühne ergeben. Einziger musealer Eingriff sind Toninstallationen, die sich mit Schloss Tirol als Ort der Machtrepräsentation auseinandersetzen und in der Zeit von Margarethe Maultasch (erste Hälfte des 14. Jhs.) angesiedelt sind.
Es sind vier verschiedene Hörbilder:
1. Schloss Tirol als Ort der Festlichkeit: Die Hochzeit von Margarethe mit ihrem zweiten Mann Ludwig von Brandenburg (1342)
2. Schloss Tirol als Ort der Belagerung: Margarethe verteidigt die Burg erfolgreich gegen König Karl IV. (1347), den Bruder des von ihr verstoßenen ersten Mannes Heinrich
3. Schloss Tirol als Schauplatz der Politik: Bischof Ulrich von Chur, Verbündeter von Kaiser Karl IV, als Gefangener auf Schloss Tirol
4. Schloss Tirol als Ort der Audienz: 1351 kommt der Dichter Giovanni Boccaccio als Gesandter der Republik Florenz nach Schloss Tirol.
Die Filmemacherin und Medienkünstlerin Carmen Tartarotti präsentiert in ihrer Installation einen unkonventionellen Zugang zur Bilderwelt des Mittelalters. Ausgehend von den berühmten romanischen Portalen der Burg schliesst sie die Besucher mittels einer live-cam und einer sphärischen Originalmusik in den Parcours mit ein:
Musik von Ali N. Askin, Berlin (Soundtrack 1), Rainer R. Lorenz, Karlsruhe (Soundtrack 2) und Kompositionen von Philip Glass, Changwon Park und Heiner Goebbels (Soundtrack 3).
Thematisiert werden hier die Landesfürsten und die vier Gesellschaftsgruppen Geistlichkeit, Adel, Stadt- und Landbevölkerung. Allgemeine Charakteristika der jeweiligen Gruppen, wichtige historische Hintergrundinformationen, die soziale Mobilität, Jenseitsvorstellungen sowie die Frage nach Randgruppen und wirtschaftlichen Krisen aufgrund von Naturkatastrophen sollen dem Besucher die soziale Struktur des Mittelalters vermitteln.
Die obere Kapelle ist der Hl. Elisabeth, Fürsprecherin der Armen, geweiht. Sie wurde um 1280 unter dem Grafen Meinhard II. der Unterkapelle hinzugefügt. Die Empore war nur für die Adeligen zugänglich. Hier sieht man u.a. die große Kreuzigungsgruppe aus dem 14. Jh., die Wandmalereien mit der Darstellung der Kapellenpatrone Pankratius und Elisabeth und die Kopie des Altars von Schloss Tirol aus dem Jahr 2001.
Im Kapellenturm, der sogenannten Turris Parva werden ausgehend vom Fragment des Meinhardinischen Landesrechtes (1286) alle Tiroler Landesordnungen des 15., 16. und 17. Jhs. präsentiert und dabei der eigenständige Weg Tirols in der Rechtspflege reflektiert.
Anhand von vier Themenbereichen (Wirtschaft, Recht, Vielfalt der Ordnungen, Verteidigungssysteme), die zeitlich zwischen dem Beginn der Neuzeit und dem 18. Jh. angesiedelt sind, werden die Säulen der Organisation eines Landes aufgezeigt. Gestalterisch sind die Bereiche als eigene Blöcke ausgeführt, die thematisch wie architektonisch in sich abgeschlossen sind.
Hörtexte:
- Briefwechsel zwischen Inquisitor und Bischof im Zusammenhang mit dem Hexenprozess von 1485 in Brixen
- Passagen aus den interessantesten Ordnungen (Hunde-, Wasenmeister-, Sensenschmiedeordnungen etc.)
Schloss Tirol wird im 19. Jh. zu einem nationalen Denkmal, in dem sich streiflichtartig die gesamte Landesgeschichte widerspiegelt. Vier Themenbereiche
- Schloss Tirol als Heiligtum des Landes
- Die Restaurierung von Schloss Tirol
- Schloss Tirol wird zum Motiv in Kunst und Literatur
- Die Besucherbücher
erzählen im "Hochzeitszimmer" (wurde hier die zweite Hochzeit von Margarethe "Maultasch" gefeiert?) und der Stubenkammer des Mushauses diese Entwicklungen des 19. Jhs. Auch die Gestaltung mit Möbeln, einer Bibliothek und einer kleinen Bildergalerie evoziert Assoziationen zu diesem Jahrhundert.
Die für Südtirol so prägende Zeitgeschichte verfügte bis vor zwei Jahren über keinen eigenen Museumsstandort.
Seit der Wiedereröffnung des Landesmuseums für Kultur- und Landesgeschichte informiert der Bergfried von Schloss Tirol, in Ergänzung und als Gegenstück zur mittelalterlichen Grundausrichtung des Museums, die Besucher über dramatische und erfolgreiche Stationen des 20. Jahrhunderts. Das Raumangebot des Bergfrieds ist trotz seiner mächtigen Dimension beschränkt, daher haben die Kuratoren eine didaktisch überzeugende Lösung gewählt: Am Beispiel von zwanzig markanten Jahren wird die Zeitgeschichte Südtirols in ihrem großräumigen Zusammenhang zwischen 1898 und 1992 vorgestellt. Der Horizont der Nachbarländer Trient und Tirol wird dabei ebenso berührt wie der große europäische Rahmen.
Die Begegnung mit der jüngsten Vergangenheit geschieht in historischen Dokumenten einerseits und in Objekten aus dem Alltag andererseits. Ausgangspunkt ist das Burgverlies, von dort ausgehend "erklimmt" der Besucher die letzten hundert Jahre bis unter das Dach des Turms mit seiner Aussicht über das Etschtal.
In Zusammenarbeit mit dem Museum für Moderne Kunst in Bozen wurden einige Stationen der einheimischen Kunstentwicklung im 20. Jh. in den Parcours eingefügt, gemeinsam mit dem Brenner-Archiv der Universität Innsbruck für jede Ebene auch ein sog. „Literaturfenster“ eingerichtet, das die Literarische Produktion jener Jahre thematisiert.
Ein Sonderthema, das parallel zur politischen Geschichte geführt wird, ist die Migration, beginnend mit der Auswanderung der Tiroler zu Ende des 19. Jh., über die Optionszeit, bis herauf zu Südtirol als reichem Einwanderungsland für Menschen aus aller Welt.
Die Journalistin Elisabeth Baumgartner († 2005) hat eine große Zahl von Zeitzeugen interviewt und zwei aufschlussreiche und bewegende Filme zur Vergangenheit Südtirols zusammengestellt, die man ebenfalls im Bergfried sehen und hören kann.
Ein dritter Film ist "Echtzeit" von Manfred Prossliner, für den er einige heutige Südtiroler zu ihrer Situation und ihrer Meinung befragt hat.

